1. NTÖ-Vetmeduni Abendgespräch

1. NTÖ-Vetmeduni Abendgespräch

Tiergesundheit verbindet Landwirtschaft und Tiermedizin: Erfolgreicher Auftakt der NTÖ-Abendgespräche

Unter dem Motto „Raus aus dem Skriptum, rein in die Praxis“ luden die Nachhaltige Tierhaltung Österreich (NTÖ) und die Vetmeduni Wien am 5. November 2026 erstmals zu gemeinsamen Abendgesprächen ein. Im Mittelpunkt standen die Tiergesundheit, Einblicke in die landwirtschaftliche Praxis und der Austausch zwischen Studierenden, Branchenvertreter und Fachleuten aus der Tiermedizin.

Wie eng Landwirtschaft und Tiermedizin miteinander verbunden sind, zeigte der erste Abend der neuen Veranstaltungsreihe eindrucksvoll. Zahlreiche Studierende der Vetmeduni und der BOKU nutzten die Gelegenheit, mit Vertreter aus Landwirtschaft, Zuchtverbänden und Forschung ins Gespräch zu kommen. Anhand der Sparten Pferd, Rind, Schaf und Ziege wurde deutlich, dass eine erfolgreiche Nutztierbetreuung vor allem eines braucht: Zusammenarbeit, gegenseitiges Vertrauen und ein Verständnis für die täglichen Herausforderungen auf den landwirtschaftlichen Betrieben.

Vom Stall über die Klinik bis zur Forschung

Den Auftakt bildete die Pferdehaltung. Natascha Stolka von Pferd Austria und Barbara Wallner aus dem Bereich Genetik und Tierzucht der Vetmeduni stellten ein gemeinsames Kooperationsprojekt vor. Dabei wurde gezeigt, wie Zuchtverband, Klinik und Forschung gemeinsam an gesundheitlichen Fragestellungen arbeiten und wie wichtig es ist, Erfahrungen aus der Praxis mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu verbinden.

Auch bei den Rindern wurde die Vielfalt der Zusammenarbeit deutlich. Martin Stegfellner von der RINDERZUCHT AUSTRIA gab Einblicke in Zuchtwertschätzung, Leistungsprüfung und die zunehmende Bedeutung von Digitalisierung und Forschung. Werner Habermann von der ARGE Rind ergänzte die Perspektive um aktuelle Entwicklungen am Rindermarkt und unterschiedliche Tierwohlprogramme.

Wie diese Informationen in der tierärztlichen Praxis genutzt werden können, veranschaulichte Harald Pothmann von der Vetmeduni anhand eines Fallbeispiels aus der Bestandsbetreuung. Milch- und Gesundheitsdaten können wichtige Hinweise auf die Nährstoffversorgung sowie auf die Euter- und Klauengesundheit liefern. Entscheidend bleibt jedoch die fachliche Beurteilung und der direkte Austausch mit den Tierhalter.

Schafe und Ziegen: Praxisnähe und Vertrauen zählen

Bei den kleinen Wiederkäuern standen die Besonderheiten der Schaf- und Ziegenhaltung im Mittelpunkt. Roland Taferner vom Österreichischen Bundesverband für Schafe und Ziegen (ÖBSZ) stellte die Verbindung zwischen Zuchtprogrammen, digitalen Entwicklungen, Forschung und den Anforderungen der landwirtschaftlichen Praxis her.

Simone Balon-Stöger, selbst Schafbäuerin aus dem Weinviertel, berichtete aus ihrem Betriebsalltag. Besonders während der Ablammsaison zeigt sich, wie wichtig eine enge Zusammenarbeit zwischen Tierhalter und Tierärzt ist. Neben fachlichem Wissen braucht es dafür gegenseitiges Vertrauen und eine Kommunikation auf Augenhöhe.

Kontakte knüpfen und Berufsfelder kennenlernen

Ein wesentlicher Bestandteil des Abends war die anschließende Podiumsdiskussion. Dabei wurde thematisiert, welche Informationen landwirtschaftliche Betriebe, Branchenverbände und Tierärzt voneinander benötigen und wie eine gute Zusammenarbeit in der Praxis gelingen kann.

Für die Studierenden bot sich damit die Möglichkeit, unterschiedliche berufliche Perspektiven kennenzulernen, Fragen direkt an die Fachleute zu richten und erste Kontakte für den späteren Berufsweg zu knüpfen. Das große Interesse zeigte, dass viele angehende Veterinärmediziner ihre berufliche Zukunft in der Nutztiermedizin sehen.

Johanna Prodinger, Geschäftsführerin der NTÖ, betonte die Bedeutung des Praxisbezugs bereits während der Ausbildung: Wer Tiere betreut, müsse auch die landwirtschaftlichen Betriebe und die Menschen dahinter verstehen. Genau hier setze die neue Veranstaltungsreihe an, indem sie Studierende frühzeitig mit der landwirtschaftlichen Praxis und den Branchenverbänden zusammenbringe.

Pressefotos

Bildtext: Die Referent:innen des Abends v.l. Roland Taferner, Simone Balon-Stöger, Barbara Wallner, Natascha Stolka, Johanna Prodinger, Werner Habermann, Martin Stegfellner, Harald Pothmann, © NTÖ

Rektor Matthias Gauly © Thomas Suchanek-Vetmeduni Austria

Nächster Termin am 24. November

Der erste Abend machte deutlich: Eine funktionierende Tiergesundheit beginnt nicht erst in der tierärztlichen Praxis, sondern basiert auf dem Zusammenspiel aller Beteiligten am Betrieb. Umso wichtiger ist es, dass künftige Veterinärmediziner Einblicke in den landwirtschaftlichen Alltag gewinnen und praktische Erfahrungen sammeln.

Die Abendgespräche werden am 24. November 2026 von 18 bis 20 Uhr an der Vetmeduni Wien (Hörsaal A) fortgesetzt. Diesmal stehen die Sparten Schwein und Geflügel im Mittelpunkt. Thematisiert werden unter anderem Antibiotikareduktion, Stallumbau, Biosicherheit sowie das Spannungsfeld zwischen Tierwohl und Wirtschaftlichkeit.

Die Teilnahme ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich.

Plakat Abendgespräche Vetmeduni: Viele Tiere. Ein Patient. – Schwein und Geflügel
Programm der Abendgespräche Vetmeduni: Schwein und Geflügel